Monsterwellen in Portugal: Surfer nutzten Orkan für Rekordjagd

Während weite Teile Europas mit den Verwüstungen durch Orkan „Christian“ zu kämpfen hatten, gelang es dem Brasilianer Carlos Burle an der portugiesischen Küste eine rekordverdächtig hohe Welle zu reiten. Das Sturmtief „Christian“ war das heftigste Unwetter seit 14 Jahren und jagte außerdem selbst den erprobten Nordfriesen Furcht ein. 

Dabei war der Ritt auf der Monsterwelle nicht seine größte Heldentat an diesem Tag. Kurz zuvor hatte Burle seiner Surfpartnerin Maya Gabeira, die sich ebenfalls an einen der großen Brecher gewagt hatte, das Leben gerettet.

 

Nachdem er sie mit dem Jetski in Position gezogen hatte, konnte sich Gabeira nicht mehr halten und wurde unter Wasser gedrückt. „Sie war etwa fünf Minuten verschwunden, ich konnte sie nirgendwo sehen, ich hatte solche Angst“, sagte Burle dem Surfermagazin Stab.

Nazaré – Als der Orkan „Christian“ am Montag über Europa fegte, war wohl den wenigsten danach sich ins Meer zu stürzen. Für Big-Wave-Surfer wie den Brasilianer Carlos Burle schuf der Sturm aber geradezu ideale Bedingungen, um auf Rekordjagd zu gehen. Vor dem kleinen Örtchen Nazaré in Portugal hatte erst vergangenes Jahr der US-Amerikaner Garrett McNamara einen neuen Höhenrekord aufgestellt, als er eine 30-Meter-Welle surfte. Diese Bestmarke könnte am Montag von Carlos Burle getoppt worden sein. Beobachter schätzten die von Burle bezwungene Welle jedenfalls auf zumindest 30 Meter.

Schließlich entdeckte er Gabeira, die sich kaum noch an der Jetski-Leine halten konnte, im aufschäumenden Wasser. Burle sprang vom Jetski ab, zog sie über Wasser und schwamm mit ihr durch die Brandung an Land, wo sie wiederbelebt werden musste.

So einen Sturm gibt es nicht alle Tage. 14 Jahre ist es her, dass im Norden Deutschlands ein heftigerer Sturm wütete. „Anatol“ hieß das Monster damals. Windgeschwindigkeiten von 182 km/h wurden damals auf Sylt gemessen. Diesmal waren es zwar nur 157 km/h, die dort gemessen wurden, wie der Meteorologe Jörg Riemann von der Wetteragentur MeteoGroup sagte.

„Da fing das Meer an zu kochen“

Was am Montag passierte, hat selbst die sturmerprobten Nordfriesen beeindruckt. In heftigen Wellen schob sich das Sturmtief „Christian“ über Nordeuropa hinweg und traf den Norden Deutschland mit einer Wucht, die ihresgleichen sucht. So heftig, wie das Orkantief „Christian“ über Inseln und Halligen tobte, hat es der gelassene Postschiffer von Langeneß noch nicht erlebt. „Ich habe noch nie einen Strandkorb fliegen sehen“, sagt der 63-Jährige am Tag danach.

Autos vor der Sansibar wurden gesandstrahlt

„Da fing das Meer auf einmal an zu kochen“, sagte der Bürgermeister von Hallig Hooge, Matthias Piepgras. Die „Sansibar“ auf Sylt war trotzdem gut besucht. Die Autos vor der Tür des Restaurants in den Dünen mussten dagegen einiges aushalten: „Sie wurden gesandstrahlt“, berichtet Laura Stodieck, die Assistentin von „Sansibar“-Chef Herbert Seckler. Dass es auch auf Sylt nicht schlimmer kam, lag auch daran, dass Ebbe herrschte, als der Orkan am stärksten tobte. „Wäre Flut gewesen, hätte es schlimmer ausgesehen.“

Fast alle Dächer beschädigt

Am Dienstagmorgen offenbarten sich die Schäden – auf Sylt, Gröde, Hooge und sonst wo in der nordfriesischen Inselwelt. „Jeder auf der Hallig hat ein Loch im Dach“, berichtet Nissen. Sein Postboot hat „Christians“ Wüten wohl heil überstanden. Am Mittwoch will er damit wieder zum Festland.

Insgesamt 14 Tote in Nordeuropa

In Deutschland forderte „Christian“ nach letzten Angaben fünf Todesopfer, 14 waren es insgesamt in Nordeuropa.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.