FMB World Champion Nicholi Rogatkin im Interview

Nicholi Rogatkin war in dieser Saison nicht nur der erfolgreichste Athlet der FMB World Tour, sondern gehörte zu den Ridern, die die meisten Kilometer zurückgelegt haben. Dank seiner Beharrlichkeit, seinen ersten Run trotz des harten Crashes nach einem verunglückten Cork 720 zu beenden, reichte es beim Red Bull Joyride at Crankworx Whistler in Kanada doch noch zum Titel.

 

 

 

Nachdem er sich die FMB World Champion Krone gesichert hatte, nahm sich Nicholi Rogatkin die Zeit über seine sensationelle Saison zu sprechen:

Als allererstes nochmal herzlichen Glückwunsch zum Titel, Nicholi! Es war beeindruckend zu sehen, wie du nach deinem Sturz die Nerven behalten hast und dennoch einen ziemlich guten Run hingelegt hast. Was ging dir durch den Kopf als du beim Sturz den harten, staubigen Kurs unter dir gespürt hast? Was trieb dich dazu an, weiterzumachen?
Um ehrlich zu sein schossen mir viele unterschiedliche Gefühle durch den Kopf. Ich war unheimlich frustriert und fast ungläubig, dass es mich so früh in meinem ersten Run hingeschmissen hat. Ich wusste aber, dass ich jetzt aufstehen und den Run zu Ende bringen musste. Der Titel stand auf dem Spiel. Ich wusste, dass jeder Punkt am Ende des Tages entscheidend sein könnte. Das trieb mich dazu an, den schon verkorksten Lauf zu Ende zu fahren. Meine Hartnäckigkeit zahlte sich dann letztendlich auch aus.

Hast du deinen Run nochmal angepasst oder bist du beim ursprünglichen Plan geblieben?
Ich bin dabei geblieben. Ich bin aber bei manchen Features etwas auf Nummer sicher gegangen. Das Letzte, was ich wollte, war nochmal im Dreck zu liegen.

Lass uns kurz zurückblicken. Die Saison hat in Rotorua richtig Fahrt aufgenommen und dort hast du auch erstmals deinen Twister im Contest landen können. Wie wichtig war der erste FMB Diamond Stopp für den weiteren Fortlauf der Saison?
Der Event hat mir sehr viel bedeutet. Er war sehr emotional für alle Fahrer, da das ganze Wochenende Kelly gewidmet war. Ich war sehr glücklich, einen Traumlauf zu zeigen, am letzten Obstacle den Twister zu landen und den zweiten Platz einzufahren. Rückblickend war Crankworx Rotorua das Fundament für den Titel und daher super wichtig.

 

 

 

Nach Neuseeland bist du viel gereist und hast an einigen Contests teilgenommen. Wie wichtig ist es dir, rauszukommen und neue Orte und Länder kennenzulernen?
Das Reisen ist hundertprozentig einer der besten Aspekte an dem Job als professioneller Mountainbike-Fahrer. Überall, wo wir hingehen, ist eine Menge Spaß vorprogrammiert und wir freuen uns immer riesig, andere Kulturen und Länder zu erleben. Es ist ein Privileg, das nicht alle Menschen haben.

 

Du hast an vier weiteren Gold und Silver Events in drei Ländern Europas teilgenommen (Schweiz, Österreich, Frankreich). Welcher Wettbewerb hat am meisten Bock gemacht?
Swatch Rocket Air gehört zu den besten Events im ganzen Jahr. Die Fans dort sind crazy und geben immer alles für jeden Fahrer, der dort antritt. Max und ich haben dort einen riesen Contest abgeliefert und haben den ersten und zweiten Platz belegt. Das war schon ziemlich geil!

 

Nach deinem Sieg beim Swatch Rocket Air hättest du dich eigentlich zurücklehnen können, da du bereits die maximal erreichbare Anzahl an Punkten bei einem Gold Event eingefahren hattest. Dennoch hast du weiter gemacht. Inwiefern hat dich die Teilnahme an weiteren Contests beim Erreichen deiner Ziele weitergebracht?
Es macht immer viel Spaß, an Wettbewerbe teilzunehmen. Unabhängig davon ist es aber auch ein sehr gutes Training, Wettkampfpraxis zu sammeln. Klar, hätte ich einfach entspannt mit den Jungs herum reisen können, aber je mehr Wettkampfpraxis man hat, desto besser ist man für die richtig großen Events und zukünftige Drucksituationen gewappnet.

Bei Swatch Prime Line hast du endlich zum ersten Mal in deiner Karriere einen FMB Diamond Event gewonnen. Was ist in diesem Jahr anders gelaufen? Was war der Schlüssel?
Der Schlüssel in diesem Jahr war Selbstbewusstsein. Ich habe einen Run zusammengestellt, an den ich zu 100% geglaubt habe. Als ich in den Kurs gedroppt bin, war das Stresslevel minimal. Zum Glück hatte ich an dem Tag von allen den höchsten Score. Endlich hatte ich den lang ersehnten Diamond Erfolg, auf den ich so lange gewartet hatte!

 

Bevor es zum Red Bull Joyride ging, hast du beim FMB Gold Event beim Colorado Freeride Festival teilgenommen. Abgesehen davon, dass es sich um den einzigen Top-Event in den USA handelt, wie hat er dir geholfen, dich auf Joyride vorzubereiten?
Das Trick-Level war beim CFF immens hoch. Schon im Qualifying haben alle Rider krasse Runs gezeigt. Jeder von uns musste einen perfekten Run hinlegen, um eine Chance zu haben. Wir haben einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was uns bei Red Bull Joyride wenige Wochen später erwarten würde.

 

Zurück zum Joyride: Hattest du je Sorge, dass Max das fast Unmögliche doch möglich macht und dir den Titel doch noch streitig macht?
Ich wusste sehr genau, dass Max und Brett beide noch die Chance hatten und vor allem die Fähigkeiten haben, mich noch vom Sockel zu stoßen. Sie haben beide unfassbare Runs gezeigt und waren verdient auf dem Podium. Ich habe mich auch sehr für sie gefreut. Es schoss mir natürlich auch durch den Kopf, dass es das gewesen sein könnte.

Hattest du gemischte Gefühle in Whistler oder haben die positiven Emotionen nach einem harten Arbeitstag doch überwogen?
Ich hatte super viele gemischte Gefühle. Ich war sehr enttäuscht darüber, dass ich beide Runs beim Red Bull Joyride nicht sauber zu Ende gebracht habe. Die Tatsache aber, dass ich die Championship sichern konnte, ließ mich auf ein Jahr harte Arbeit zurückblicken. Es gehörte in diesem Jahr sehr viel dazu, um diesen Titel möglich zu machen.

 

 

Wenn du dir die bisherige FMB World Tour 2016 durch den Kopf gehen lässt, was ist das erste Bild, dass dir einfällt, was du vielleicht nie wieder in deinem Leben vergessen wirst?
Es rasen so viele Bilder durch meinen Kopf, wenn ich daran denke, was ich alles erlebt habe. Das prägendste ist jedoch die Situation, als ich gerade meinen Run in Rotorua erfolgreich zu Ende gefahren habe, auf mein Jersey mit Kellys Portrait gezeigt habe und die lautstarke Reaktion der Fans gehört habe. Es hat mich sehr Stolz gemacht, eine Legende unserer Sportart in dem Moment zu repräsentieren und ihn auf einem der erfolgreichsten Runs meines Lebens dabei gehabt zu haben. Ich weiß, dass er an diesem Tag auf uns herabgeschaut hat und die Liebe von mir und allen anderen, die dabei waren, gespürt hat. Das werde ich nie vergessen.

Du hattest eine sagenhaft Saison. Was steht als Nächstes auf dem Plan?
Ich habe das Gleiche wie immer vor: Ich will mein Bike fahren und weiterhin alles dafür tun, MTB auf das nächste Level zu heben.

Vielen Dank Nicholi und Glückwunsch nochmal zur FMB World Championship 2016!

 

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Textquelle + Bildmaterial: PM der Freeride Mountainbike Association (FMBA) vom 08.09.2016

MM

... Michaela ist gerne auf Reisen und hat unter anderem über 1 Jahr in Costa Rica gelebt. Seit 2016 ist sie bei Dakine Shop im Social Media bereich tätig und als echte Münchnerin nach Feierabend natürlich an der Isar zu finden.

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