Mission to Steiermark – Erste Eindrücke aus Graz

Das Springfestival wird mit einem lauten Knall eröffnet. Nachdem die

Österreicher Neodisco in der noch relativ leeren Helmut-List-Halle den Anfang gemacht haben, stehen Egotronic auf dem Programm. Trotz einiger Soundprobleme, von denen sie sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen ließen, heizen sie die Halle innerhalb von Minuten mit ihrer amüsanten Mischung aus Billo-Techno und linken Slogans ordentlich auf. Aus der gleichen Schule sind die nächsten auf dem Programm: Frittenbude. Auch hier treffen Hedonismus und Party, weißes Frotteehandtuch à la Erkan und Stefan auf das skandieren von Texten, die vielleicht prollig, irgendwie links, und sicherlich mitreißend sind.

Dann endlich kommen die großen Vorbilder Atari Teenage Riot an die Reihe, deren Mischung aus extrem laut, wilder Performance und der grellen Lichteffekte den energetischen Höhepunkt des Abends liefert. Da ist die einsetzende Müdigkeit schnell vergessen, und obwohl der Sound streckenweise unter der extremen Lautstärke leidet, wecken die drei Derwische sämtliche Lebensgeister. Ein sehr gelungener Einstieg für vier Tage Festival.

Am folgenden Nachmittag gibt es mit zweistündiger Verspätung einen kleinen Vortrag des Kanadiers Snaith, besser bekannt unter dem Namen „Caribou“. Obwohl der kleine Kreis der Zuhörer offensichtlich zu guten Teilen aus Djs und Produzenten besteht, ist, entgegen meiner Befürchtungen von Fachsimpeleien und Rumgenerde nichts zu spüren, der Künstler gibt entspannt Anekdoten zum Besten, erzählt von seinem Mathematikstudium, in dem er es sogar bis zum Doktorgrad gebracht hat, vom Aufwachsen in der kanadischen Einöde, und von seinem ursprünglichen Künstlernamen Manitoba, den er aufgrund der Klage eines durchgeknallten Möchtegernrappers aufgeben musste.

Nach einer kurzen Pause  schaffe ich es gerade so zur zweiten Hälfte des Konzerts der Briten Mount Kimbie. Das Elektroduo versteht es, eine fesselnde Athmosphäre, die immer wieder von satten Beats durchbrochen wird, zu kreieren, und ich ärgere mich ein wenig, dass ich es nicht früher geschafft habe. Caribou, diesmal an den Reglern, ist wie zu erwarten mit einer beeindruckenden Spielfreude am Werk, die Chemie und das Timing mit den beiden Livedrummern sind absolut perfekt. Eine gute Wahl in diesem Fall zu Pads statt zu Acoustic-Drums zu greifen, denn viel zu oft musste ich schon erleben, dass diese, von Electro Künstlern der Live-Situation wegen auf die Bühne gezerrt, dem elektronischen Sound schaden, und sich einfach nicht recht einfügen können.

 

Weiter geht es mit Dorian Concept, der auch die beiden amerikanischen Austauschstudenten, mit denen ich mir das Taxi zum p.p.c. geteilt habe, in Staunen versetzt. Der Club füllt sich in Windeseile mit Fans und Tanzwütigen, darunter auch der Produzent Wolfram, der heute Abend noch in der Stadthalle auftreten wird. Überhaupt sieht man allerorten Djs Künstler und Musiker die, eben noch auf der Bühne, sich unter die Tanzenden mischen. Trotz internationaler hochkarätiger Acts bleibt die Athmosphäre auf dem Springfestival angenehm familiär, und ich bin gespannt auf die kommenden zwei Abende.

 

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