USA Teil 2 – Reality Shock

Wir lassen die Megametropole New York hinter uns und machen uns auf den Weg zu unserem Mietauto am Newark Liberty Airport in New Jersey. Kurze Zeit später sitzen wir im Chevy und fühlen uns frei und ungebunden. Denn mit dem Verlassen von NYC, mit seinen unzähligen Wolkenkratzern, können wir nun den Himmel wieder sehen. Und dieser meint es nach wie vor gut mit uns: seit Tagen begleitet uns strahlender Sonnenschein und brütende Hitze. Wie gut, dass unser nächster Stop Providence ist. In unserer Vorstellung sind wir unterwegs in ein kleines nettes Städtchen, mit relaxten Menschen und süssen Strassencafes. Wir sehen uns schon entspannt durch kleine Gässchen spazieren, nach der anstrengenden Zeit in der Grossstadt.

Und doch soll man ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Denn das familiäre kleine Bed & Breakfast unserer Träume entpuppt sich in der Realität als trostlos monotone Motelkette direkt an der Hauptstrasse. Obwohl uns die Dame an der Rezeption wirklich herzallerliebst empfängt. Man muss allerdings dazu sagen, dass das Eis bereits in dem Moment gebrochen ist, als Basti nach „free rooms“ fragt – naja, man kann’s ja mal versuchen. Leider ist auch in den USA so gut wie nichts umsonst, und die Unterkünfte schon gar nicht.

Frühstück im B&B

Wie dem auch sei, das Zimmer ist einfach und sauber und bietet einen malerischen Ausblick auf den geteerten Parkplatz. Nicht im Geringsten entmutigt machen wir uns auf den Weg nach Downtown Providence – natürlich mit dem Auto. (Fußwege vermisst man erst, wenn es ganz offensichtlich keine gibt) Der gemütliche Abend in der Kleinstadt ist allerdings alles andere als lauschig. Im Gegenteil macht der Stadtkern eher den Eindruck, als lebte hier schon seit langer langer Zeit keine Menschenseele mehr. Wie eine Geisterstadt liegt Providence da. Nur hin und wieder ein Auto und ein paar zwielichtige Gestalten kreuzen unseren Weg. Ist das vielleicht der Amerikanische Traum, dem wir hinterherzujagen versuchen?

So schnell lassen wir uns auf jeden Fall nicht entmutigen! Wozu haben wir schliesslich ein Auto? Also packen wir bereits am nächsten Morgen unsere Koffer und machen uns auf den Weg nach Newport, einem kleinen Hafenstädtchen an der Küste von Rhode Island. Als Unterkunft empfiehlt der Dumont Ostküsten-Reiseführer das preisgünstige Motel 6 direkt am Highway. Und dieses steuern wir nach einer ca. 1-stündigen Fahrt auch an.

Heile Welt in Newport

Der Preis von 60 Dollar pro Nacht ist geradezu lächerlich niedrig. Sicherheitshalber werfen wir dann aber doch einen Blick auf besagtes Schnäppchen – und das zum Glück! Denn das Zimmer riecht nicht nur seltsam, sondern verfügt ausserdem über eine offensichtlich verschmutzte Toilette und lebhafte Pilzkulturen an den Wänden. Die Suche nach einem Schlafplatz muss also weitergeführt werden.

Nur um die Ecke liegt ein grosses Best Western Motel, dass einen geradezu einladenden Eindruck macht. Glücklicherweise ergattern Basti und ich ein Zimmer – allerdings zu einem höheren Preis als gehofft. Nach der vorherigen Besichtigung ist uns das aber relativ egal – wir nehmen es.  Das Schöne an einer Reise ist ja, dass man immer etwas dazu lernt. Basti und ich wissen jetzt zum Beispiel, dass auch ein bekannter Name und ein hoher Preis keine Garantie für

schimmelfreie Zimmer sind. Daher die Devise: in Zukunft immer ansehen, bevor gekauft wird. Um die Nacht im nach Chlorreiniger riechenden Schimmelzimmer einigermassen zu überstehen, beschliessen wir, uns an der Hotelbar mit überteuertem Bier zu betrinken – ein guter Plan! Dass wir das feuchte Reich mit einer ausgewachsenen Kakerlake geteilt haben verrät mir Basti zum Glück erst am nächsten Tag.

Da wir vor unserem Absturz noch verzweifelt auf Zimmersuche waren, schlafen wir die folgenden zwei Nächte dann doch noch in einem ganz entzückenden B&B wie aus dem Bilderbuch. Hier gibt es morgens ein liebevoll zubereitetes Frühstück mit echtem Obst und leckerem French Toast, sowie viele tolle Reisetips von Inhaber Brian. In Newport streifen wir durch kleine Gässchen, machen eine Bootstour zum historischen Fort Adams und wandern zur St. Mary’s Church, in welcher 1953 JFK und Jacky O. vermählt wurden. Ansonsten liegen wir nur faul am Strand, flanieren am Ocean Drive und sitzen abends bei Live Music in einer entspannten Bar. Das Leben ist einfach nur schön! Wir tanken Sonner, Meerwasser und Energie und freuen uns unsagbar auf unsere nächste Station: Boston!

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