„Menschen, die keine Angst haben, können nicht besonders intelligent sein“

Der Mountainbiker Patrick „Petz“ Leitner über die Angst vor dem Sprung, Familie und einen erfolgreichen Sommer

Patrick, erzähl‘ doch mal unseren Lesern, woher Du kommst. Bist du gebürtiger Wiener?

©Photo Lars Homann©Photo Lars Homann

Genau, Ich bin in Wien geboren, und lebe jetzt seit meinem fünften Lebensjahr im 22. Bezirk.

Wo du dir auch einen eigenen Bikepark im Hinterhof angelegt hast?

Ja, das stimmt, ich baue seit zwei Jahren mein Trainingsgelände auf einem unbebauten Grundstück gleich neben meinem Haus.

Welche Disziplinen fährst du, neben Dirtjump?

Ich fahre eigentlich alle Freestyle-Disziplinen, v.a. Dirtjump Slopestyle und Park, aber ich habe auch viel Freude daran, mit Freunden einfach nur durch die Straßen von Wien zu fahren, und verschiedene Spots zu fahren.

Fährst du auch Contests? Ja, ich bin am Sonntag erst um ein Uhr, nach einem 10-taegigen Roadtrip wieder in Wien angekommen. Zuerst war ich beim Monster Energy Slopestyle in Basel, und bin danach spontan mit Patrick Schweika zum Bodensee gefahren, wo ab Dienstag die Eurobike stattgefunden hat.

Was waren deine größten Erfolge bisher?

Also ich denke, diesen Sommer habe ich sicher meine stärksten Ergebnisse bei internationalen Contests gehabt. Achter Platz beim Go Big or Go Home, vierter Platz beim Monster Energy, und Siebter bei der Eurobike. Ich kann gar nicht sagen, welches dieser Ergebnisse für mich der größte Erfolg ist. Ich denke, dass einfach der ganze Sommer mein persönliches Highlight ist.

©Photo Lars Homann

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Hast du schon Sponsoren?

Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben, ich stehe aber mit einigen großartigen Firmen, die ich im Zuge der Wettbewerbe diesen Sommer kennengelernt habe, in engem Kontakt. Aber im Moment ist noch nichts offiziell…

Das hört sich ja schon mal gut an! Was mich als Amateursportler ja immer fasziniert, ist die Frage, wie man bei so einem Contest mit dem Druck umgeht. Besonders, wenn vielleicht noch etwas Angst im Spiel ist. Wie machst du das?

©Photo Lars Homann

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Ich denke Menschen, die keine Angst haben, können nicht sehr intelligent sein. Natürlich kenne ich Angst, denn ich kenne die Konsequenzen meines Sports, aber jetzt, da ich schon zwei Jahre lang Contests fahre, überwiegt der Ehrgeiz, und ich schaffe es mittlerweile, die Angst auszublenden. Ich springe die Sprünge und versuche zu spüren, wo ich welchen Trick machen kann. Wenn ich dann am Startturm stehe und meinen Namen höre, dann gibt es keine Angst mehr, sondern nichts als den Willen, meinen Run durchzubringen und eine möglichst hohe Punktzahl zu bekommen. Der Erfolgsdruck ist für mich dieses Jahr kein großes Problem gewesen, da ich meistens im Wettkampf fast besser als im Training gefahren bin. Ich denke, dass ich diesen Druck sogar genieße, und ich muss sagen, dass ich wirklich gerne Contests fahre. Mittlerweile bin ich sehr fokussiert in so einer Situation, aber das braucht Zeit. Bei mir hat es zwei Jahre lang gedauert, und ich kenne Fahrer, die schon länger dabei sind, und dieses Problem immer noch haben.

Du machst derzeit ein Studium an der WU?

Ja, ich studiere BWL an der WU in Wien.

Bei dir liegt das Talent ja, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Familie. Dein Bruder, Niki Leitner fährt ebenfalls erfolgreich Mountainbike. Trainiert ihr zusammen? Kann man da was voneinander lernen?

Ja, Niki ist im Freestyle MTB in Österreich die Nummer eins. Klar fahren wir gemeinsam, wir sind Cousins und gute Freunde. Er hat mir fast alle basic tricks gezeigt. Wir fahren fast jeden Tag gemeinsam, und haben einfach Spaß daran. Ich habe ihm viel zu verdanken, denn ohne ihn wäre ich, was Tricks, Technik und mentale Stärke angeht, sicher nicht soweit gekommen. Ich versuche vor allem, mir was von seiner mentalen Stärke abzuschauen, denn die bringt mich bei jedem Contest aufs Neue zum staunen. Ich fahre auch gerne mit ihm gemeinsam auf Contests, denn wir sind eine Familie, und ich weiß, wenn ich Ihn brauche, dann ist er da.

Cousins also, das hatte ich wohl missverstanden…

Das macht nichts, ich denke, dass uns Jeder in der MTB-Szene für Brüder hält.

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Darf ich noch fragen, was du so machst, wenn du nicht gerade beim Biken bist?

Naja, viel Zeit steckt natürlich in den Bautätigkeiten fürs Radfahren… Aber ansonsten hänge ich viel mit meinen Brüdern und Freunden herum. Und dann ist da natürlich noch die Uni, für die ich auch lernen sollte.

Na gut, ihr habt ja jetzt frei, bis Ende September

Das ist wahr, aber ich bin auch bis dahin durchgehend ausgebucht: Am 10. 09. ist ein Jam in Tschechien, am 17. September ist der alljährliche Dirtgardenjam in Wien, also Alle hinkommen!!! Und dann geht’s am 24. zu Amir Kabbanis local trails, wo auch ein Contest stattfindet. Wenn das dann alles geschafft ist, kommt wieder die Uni dran.

INTERVIEW: COSIMA WEISKE, FOTOS: LARS HOMANN

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Ein Kommentar

  1. Hallo Cosima, klasse Artikel, meiner Meinung nach machen uns Dinge Angst, die außerhalb unserer Komfortzone liegen, z.B. mit dem Bike durch die Lüfte schwebe, wildfremde Menschen nach der Uhrzeit fragen oder in der U-Bahn zwichen zwei Stationen in der Öffentlichkeit laut Lieder singen.

    Doch durch regelmäßige Übung werden diese Dinge, die uns Angst machen, zunehmend ein Teil unserer Komfortzone … und sie machen uns dann weniger Angst.

    Ich habe dazu zu diesem Theme einen Artikel geschrieben und mit Übungen angereichert, die ich selbst durchgeführt habe. Würde mich über Feedback von dir freuen!

    http://www.businesslifehack.de/nur-tote-fische-schwimmen-mit-dem-strom-oder-wie-du-deine-komfortzone-verlaesst/

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