Dirndl und Lederhosen – Tradition oder Partyoutfit?

Wenn sich von einem Schlag auf den anderen das Münchner Straßenbild ändert und urplötzlich die ach so coole Jugend in bayerischer Tracht rumläuft, dann kann das nur eines bedeuten: es ist wieder Wiesn-Zeit! Was zuvor als uncool verachtet wurde und nur Oma und Opa schön fanden, ist ganz plötzlich „in“.

Ganze Scharen von Jugendlichen sind auf einmal in Tracht unterwegs. Die Mädels haben das immer gleich aussehende Dirndl von C&A oder Tschibo an, das bereits weit oberhalb des Knies endet und einen Ausschnitt hat, dass einem nichts verborgen bleibt; oftmals sogar ohne Bluse getragen. Die Jungs kombinieren stiellos Turnschuhe oder Chucks mit der Lederhose, lassen die Hosenträger zu Hause oder gar achtlos herunterhängen. Dazu wird ein x-beliebiges kariertes Hemd getragen.

Aber hat das noch etwas mit bayerischer Tradition zu tun? Oder handelt es sich hierbei eher um ein „Verkleiden“  eigens für das Oktoberfest? Letzeres scheint der Fall zu sein, wenn man bedenkt, dass ein traditionelles Dirndl eher hochgeschlossen ist und mindestens bis Mitte Wade gehen muss; dass das Mieder mit einer Silberkette geschnürt wird und nicht mit einfachen Stoffbändern und dass ein Charivari nicht unbedingt ein Radiosender ist.

Kaum einer von denen, die urplötzlich während dem Oktoberfest Tracht tragen, kann eine Miesbacher von einer Berchtesgadener Tracht unterscheiden; lediglich wer auf welcher Seite die Schürze binden muss, dass wissen sie alle. Das Dirndl und die Lederne verkommen zu einem Partyoutfit; mit Tradition und Brauchtum hat das nicht mehr viel gemein. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine einzige große Party, bei der getrunken und gefeiert wird, bis viel zu oft der Arzt kommt.

Die viel besungene Gemütlichkeit sucht man bei den Partyhits vergeblich, ebenso die bayerische Tradition. Das ganze Spektakel erinnert eher an den Ballermann, denn an ein Volksfest. Und so lautet die gängige englische Bezeichnung „beer festival“, wobei der Name Programm zu sein scheint.

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