Das Leben, wie es sein sollte

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Christopher, du bist 26 Jahre alt, studierst Wirtschaftsinformatik in München und hattest vor ein paar Wochen die Gelegenheit, am Burning Man 2011 in Black Rock City, Nevada, teilzunehmen. Wie kam es dazu?

Christopher: Letztes Jahr waren zwei Freunde von mir bei dem Event und meinten, es wäre das coolste, was man in den USA machen kann. Wir haben dann beschlossen, dieses Jahr zusammen eine fünfwöchige Rundreise durch die USA zu machen, um unseren Bachelor-Abschluss bzw. unsere letzten Sommerferien zu feiern.

 

Mit dem Burning Man als Highlight?

Christopher: Genau, meine Freunde hatten mir wirklich nicht zu viel versprochen.

 

Kläre uns auf: Was ist Burning Man und was hast du dort erlebt?

Christopher: Man darf sich das Ganze nicht wie ein Musikfestival vorstellen, sondern es geht um Kunst, Freiheit, Gemeinschaft, eine alternative Gesellschaftsform – und natürlich um Spaß und Freude am Leben und Miteinander. Inmitten einer Wüste werden auf einem großen Platz, der Playa, originelle Kunstwerke ausgestellt, an denen die Künstler teilweise jahrelang gearbeitet haben. Das Besondere daran ist, dass die Kunstwerke am Ende der Woche sozusagen rituell abgebrannt werden. So auch der Burning Man, ein hohes Kunstwerk aus Holz, das Symbol des Festivals. Es ist natürlich einerseits schade, aber andererseits ist es auch etwas, was die Besonderheit des Festivals ausmacht. Wenn das letzte Bauteil eines Kunstwerkes fällt, wird auch grundsätzlich von der Menge gejubelt, es wird also als etwas Positives, Erneuerndes gesehen. Nur beim letzten Kunstwerk, dem Tempel, der jedes Jahr neu gebaut wird und Gebete und Wünsche der Festivalteilnehmer enthält, waren alle ruhig und andächtig.

 

Nach dem Festival sieht also der Ort aus wie davor?

Christopher: Naja, es ist eine Stadt, die nur für sieben Tage im Jahr besteht – und das mit 50.000 Einwohnern.  Eine Stadt, die es eigentlich nicht einmal gibt. Es handelt sich eher um ein Stück Wüste. Und am Ende dieser sieben Tage könnte man außer anhand der Reifenspuren nicht einmal sagen, dass jemand da war. Sauberkeit wird dort auch ganz groß geschrieben. Für den Müll gilt: Don’t let it touch the ground!

 

 

Was unterscheidet Burning Man noch von einem gewöhnlichen Festival?

Christopher: Eine ganze Menge: Zum einen ist die Organisation gewollt aufs Minimum beschränkt, damit sich jeder möglichst frei entfalten und das machen kann, was er möchte. Abgesehen von einem offiziellen Zelt und Toiletten ist das Festival total anarchisch aufgebaut. Zum anderen kann man eine Woche lang fast ohne Einschränkungen leben und das machen, worauf man Lust hat. Man lebt miteinander und respektiert dabei die Einzigartigkeit des anderen. Außerdem kann man bis auf Eis für die Kühlung von Lebensmitteln nichts kaufen. Geld wird von keinem Festivalbesucher als Tauschmittel akzeptiert. Es wird nicht einmal das Tauschen mit Sachen akzeptiert, was dazu führt, dass man viel mehr zusammenrückt und auch darauf achtet, sich gegenseitig zu helfen. Man gibt einfach, wenn man glaubt, ein anderer braucht etwas. Und irgendein anderer wird das dann auch für einen tun. Es ist also jeder einzelne Besucher dazu angehalten, sich einzubringen. Sei es durch Verpflegung, durch ein Kunstwerk oder durch Fähigkeiten, die er mit anderen teilen will.

 

Funktioniert das denn auch?

Christopher: Ja, weil die Leute alle sehr offen und freundlich sind. Das ist das Leben, wie es sein sollte.

 

War das Festival also eine Reise wert?

Christopher: Definitiv. Ich möchte auf jeden Fall wieder hin und finde, es ist etwas, was jeder mindestens ein Mal im Leben gemacht haben sollte.

 

Vielen Dank für den Einblick in dieses einzigartige Event!

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