Purer Adrenalinstoß- das Kiten

Enorme Spannung, große Wellen, hohe Luftsprünge und eine Menge Spaß- mit diesen Begriffen verbindet wohl ein jeder Kitesurfen. Bei dieser aufregenden Sportart, die für jede Wasserratte bestens geeignet ist, können die Naturgewalten wieder ganz anders erlebt werden. Über das Gefühl und die Erfahrung bei und mit dem Kiten, gab mir der Rostocker Student Erik Klein Auskunft.

Warum hast du mit dem Kitesurfen angefangen? Was hat dich dabei inspiriert?

Vor Jahren, ich glaube es war 2000, habe ich einen sehr fesselnden Bericht übers Kiten in der Men’s Health gelesen. Dieser hat mich inspiriert den Sport auch zu erlernen. Als ich 2001 in Portugal meinen Urlaub verbrachte, durfte ich zum ersten Mal live mit ansehen, wie geschickt und flink die Kiter mit ihren Drachen über das Wasser glitten und sprangen. Das hat mich total fasziniert!  2006 hatte ich dann das Geld und die Zeit für einen Kurs. Seitdem kite ich regelmäßig.

Was macht das Kiten für dich so besonders?

Das Besondere am Kiten ist der Kampf mit der Natur, das Fliegen, der Adrenalinausstoß und die komplette Erschöpfung nach einer Session. Dabei habe ich meistens ein breites Grinsen im Gesicht. Natürlich spielt auch das ganze drum herum eine große Rolle, wie zum Beispiel die Leute, die Erlebnisse, die man teilt und der Erfahrungsaustausch.

In der Natur sein. Komplettes Abschalten. Jeder Moment ist einzigartig. Man fühlt, dass man lebt. Und das gilt für alle Wassersportler; im Neoprenanzug ist jeder gleich: egal wie alt man ist oder aus welcher sozialen Schicht man stammt.

Welches Gefühl verbindest du mit dem Kiten?

Wenn die Bäume sich biegen, werde ich unruhig. Auf dem Weg zum Spot (Ort, an dem man kiten kann) bin ich richtig aufgeregt, habe Schmetterlinge im Bauch. Ich glaube, man kann das mit Lampenfieber vergleichen. Während der Session empfinde ich einfach nur Glückseligkeit. Nach der Session tiefste Zufriedenheit und Glück.

An welchem Ort kitest du am liebsten?

Das verrate ich nicht. Eines lässt sich jedoch sagen: Es kommt auf die Windrichtung an und worauf ich Lust habe: Flachwasser oder Welle. Die meisten Spots sind nur bei bestimmten Windrichtungen kitebar.

Wie oft die Woche bist du draußen auf dem Wasser?

So oft es geht. Nur leider ist man auf die Wetterbedingungen angewiesen. Dadurch kann es schon mal passieren, dass man keine Zeit hat, wenn starker Wind ist. Oder wieder Zeit hat, wenn kein Lüftchen weht. Teilweise gibt es echte Durststrecken. Eine kleine Portion Glück gehört eben immer dazu. 

Hast du auch schon an Wettbewerben teilgenommen?

Nein, das habe ich nicht und habe es auch nicht vor. Ich kite nicht, um mich mit anderen zu messen, sondern aus Spaß an der Freude und für mich!

Welche Bedingungen müssen beim Kiten vorhanden sein?

Natürlich wird der Wind benötigt. Es sollte mindestens eine Windstärke von 3-4 Windstärken vorhanden sein. Außerdem ist funktionstüchtiges Material, das in einem guten Wartungszustand ist, wichtig. Eine Grundausbildung an einer guten Kite-Schule ist ein absolutes Muss. Abgerundet wird das Ganze dann noch durch einen geeigneten Spot.

Wo würdest du sagen, kann man am besten kiten?

Das hängt vom Level des Kiters ab. Für Anfänger ist ein möglichst großes Flachwasserrevier, Stehrvier genannt (bis Hüfttiefe), ideal. Sideshorebedingungen (der Wind weht parallel zum Land) ohne Hindernisse in Luv und Lee sind ideal. Ablandiger Wind kann für Unerfahrene schnell gefährlich werden. Mit steigendem Level und persönlichen Vorlieben kann sich das alles ändern. Um neue Tricks und die ersten Sprünge zu üben, sind die genannten Bedingungen ideal. Je besser man wird, desto mehr Wind mag man. Ich persönlich mag Flachwasser genauso wie Welle.

Wie sieht die Grundausrüstung beim Kiten aus?

Ein Brett, einen Schirm mit gut funkionierendem Safetysystem, eine Bar (Lenkstange, an der die Leinen befestigt sind), einen Neoprenanzug, ein Trapez (eine Art Nierengurt, an dem der Schirm befestigt wird), eine Safetyleash (die Lebensversicherung) und eventull Schuhe, die die Füße vor Schnitten schützen.

Warum gerade Kitesurfen und nicht Windsurfen? Was unterscheidet die beiden Sportarten voneinander?

Kitesurfmaterial braucht bei weitem nicht so viel Platz. Deswegen kann man quasi mit dem Fahrrad zum Spot fahren, was sehr praktisch ist. Außerdem kommt man beim Kitesurfen viel schneller zum Springen. Ich kann beides und habe auch beides unterrichtet, aber mein Herz gehört dem Kiten.

Gibt es spezielle Tipps, die du deinen Anfängern gibst?

Klar, das auf jeden Fall! Man sollte in jedem Fall einen Kurs machen. Kiten ist eine extreme Sportart, die viele Risiken birgt. In einer guten Schule wird man auf diese aufmerksam gemacht. Viele Leute kaufen sich eine günstige Ausrüstung bei Ebay und probieren es einfach mal aus, was jedoch im schlimmsten Fall böse enden kann. Oft ist das Material auch schon porös und kaputt.

Wenn man einen Kurs absolviert hat, wird man ganz schnell süchtig! Man sollte sich also (vernünftiges) gebrauchtes Material kaufen, denn wenn dann mal etwas kaputt geht, tut es nicht ganz so weh im Portemonnaie. Kiten ist nämlich leider eine teure Leidenschaft.

Ganz wichtig ist noch, dass man sich mit der Materie von Wind und Wetter auseinandersetzt. Die Natur ist manchmal sehr launisch; perfekte Tage sind rar in unseren Breiten.

Wenn man erste Anzeichen von Erschöpfung spürt, sollte man absteigen, denn mit der Kraft lässt auch die Konzentration nach. Und man merkt die Erschöpfung erst richtig an Land, wenn der Schirm auf dem Boden liegt und der Adrenalinpegel sinkt. Deswegen sollte man seine Kräfte auch nicht überschätzen!

Man sollte auch nie alleine kiten gehen. Zum einen braucht man als Anfänger immer jemanden, der einem den Schirm startet und zum anderen muss jemand den Rettungswagen/Rettungshubschrauber rufen können,  falls doch mal etwas schief geht.

Wie lange dauert es, bis man richtig kiten kann?

Das ist nicht so pauschal zu sagen. Die Zeit auf dem Wasser ist entscheidend und auf die geistige und physische Fitness kommt es ebenfalls an. Der Körper muss die Bewegungsabläufe erlernen und man muss sich gewisse Reflexe abgewöhnen. Es sieht einfach aus, ist es aber nicht. Man muss schon viel Zeit auf dem Wasser verbringen.

Würdest du Frauen davon abraten, kiten zu lernen?

Keineswegs! Ich habe einige Frauen in meinem Kiterfreundeskreis. Mir ist sogar aufgefallen, dass Frauen sogar schneller lernen, wie ich bei meinen Schulungen immer wieder feststellen musste. Frauen haben einfach den nötigen Respekt, wollen in der Regel nichts beweisen und gehen mit mehr Gefühl an die Sache ran.

 

 

 

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