Fußballfan oder Gewalttäter?

Fußballfan sein- für seinen Verein jubeln- seinen Verein anfeuern- sich mit seinem Verein freuen und auch mit ihm trauern; alles in Ordnung und kein Problem. Aber kann man auch Prügeleien im Namen des Vereins begehen und gutheißen? Hat das noch was mit Fußball zu tun?

In Rostock unterstützt der sogenannte „Schwarze Block“ den FC Hansa Rostock und es ist bekannt, dass sich die Hooligans gerne prügeln. Doch was war bloß bei dem Spiel am 19. November los, als Fans aus dem Hansa- und Pauliblock plötzlich gegenseitig mit Raketen schossen?

Eine Rostockerin, die sich auch als Hansafan das Spiel anschaute, berichtete mir von ihrem Tag und ihren Eindrücken:

„Wir haben uns um 12.00 Uhr vor dem Stadion getroffen und gingen dann alle zusammen rein. Dafür, dass es eine Stunde vor Beginn war, war schon mehr los, als bei jedem anderen Spiel. Es war ja auch kein gewöhnliches Spiel..
Schon als wir in unseren Block kamen, gab es Stau. Normalerweise müssen eigentlich die Wege im Block frei gehalten und nicht zum Stehen benutzt werden, doch es war so voll, dass man sich nicht mehr drehen und wenden konnte.
Daraufhin wurde das Spiel angepfiffen. Die Stimmung war gut und noch habe ich mich richtig wohl gefühlt. Doch dann gingen die Gesänge gegen Pauli los, was ja noch „normal“ war. Der Schiri hat sehr ungerecht gepfiffen, sodass sich die Stimmung immer mehr aufstaute.
Dann fiel das erste Tor für Pauli und kurz darauf wurde ein Bengalo im Gästeblock gezündet. Die Hansafans fanden das natürlich nicht gut, denn wir müssen schließlich immer Strafe zahlen wegen Feuer oder Randalen. Also wurden aus Trotz Leuchtraketen in den Pauliblock geworfen. Natürlich ist das überhaupt nicht in Ordnung als Trotzreaktion oder als was auch immer, aber wir haben damit schließlich auch nicht angefangen!
Nach diesen Randalen wurde das Spiel für zehn Minuten vor der Halbzeit unterbrochen.

 

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„[…]Zustände wie im Bürgerkrieg[…]“

Ansich war das Spiel ziemlich primitiv. Pauli kam immer über die Mitte, da wo eigentlich Kevin Pannewitz hätte sein müssen. Dieser ist leider immer noch wegen verspätetem Trainingsanfang und seines Übergewichtes suspendiert. Das wäre derjenige gewesen, der das Spiel noch hätte retten können, denn er weiß sein Körpergewicht einzusetzen!
So war Hansa wieder am Zug und Mintal traf zum 1:1. Doch das sollte nicht der Endstand sein.
Pauli erzielte noch zwei weitere Tore. Gezeigt haben beide Mannschaften nicht viel, aber wie auch? Rund herum tobte nur Chaos und laute Hassgesänge hallten von den Blöcken herab.
Nach dem Spiel warteten wir noch kurz darauf, dass die Mannschaft vorbei kam, damit wir für sie klatschen konnten. Danach verließen wir das Stadion und gingen Richtung Holbeinplatz. Schon auf dem Weg dorthin knallte es richtig laut. Böller überall. Und komischer Weise keine Polizei. Ich wunderte mich, denn vor dem Spiel hörte ich davon, dass genug Polizei im Einsatz sei . Aber davon keine Spur.
Als wir dann die Station Holbeinplatz erreichten, kam schon eine Straßenbahn. Diese war jedoch so voll, dass selbst die Türen nicht mehr geschlossen werden konnten. Also warteten wir auf die nächste Bahn. Meine Freundin telefonierte mit ihrer Schwester, als ich plötzlich 50-100 schwarze Menschen, zum Teil vermummt, auf uns zu kommen sah. Vorher meinte ich noch aus Spaß zu ihr, wenn ich sage „Renn!“, dann renn. Dass ich diesen Satz wirklich sagen musste, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Wir standen ganz vorne am Bahngleiß der Straßenbahn, als plötzlich diese schwarzen Männer vor uns standen, sich beugten, Steine von den Gleisen nahmen, ihre Masken hochzogen und losrannten. Mein Herz rutschte mir in die Hosentasche. Ich hörte nur noch, wie sie das Bushäuschen mit den Steinen trafen. Und sah, wie alle anderen Fans und „normalen“ Menschen davon rannten.
Angst beschreibt nicht annähernd das, was ich gefühlt habe! Wir rannten dann ein Stück zurück, was aber aussichtslos war, denn plötzlich waren die Vermummten überall. Zum Glück kam genau in diesem Moment unsere Bahn. Ohne zu zögern stiegen wir sofort ein. Als wir drin waren, viel mir ein Stein vom Herzen. Sie kam im richtigen Moment. Dann traf  auch die Polizei endlich ein. Sie stürmte den Bahnhof und wurde währenddessen ebenfalls mit Steinen beworfen. Dann fuhr unsere Bahn zum Glück los.
Die vermummten Hansafans wollten uns bestimmt nicht bewerfen, denn ich bin ja auch ein Fan und stehe zu meinem Verein. Aber den Hass in den Augen zu sehen, war für mich das Schlimmste. Ich seh‘ sie jetzt noch vor mir. In so eine Situation zu geraten, wünsche ich keinem. Das hat für mich nichts mehr mit Fußball zu tun!“

Was denkt ihr darüber? Sollte der „Schwarze Block“ geschlossen werden? Was kann man gegen solche Gewaltausbrüche tun?

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