GAZA SURF CLUB – Surfen in der Kriegsregion? Ab 30.03. im Kino

 

 

Surfen in der Kriegsregion? 

Der Gazastreifen – Mit dieser Region assoziieren wir in unserem Unterbewusstsein seit Jahrzehnten schlimme Bilder: Verwackelte Aufnahmen in schlechter Video-Qualität, Steine werfende Jugendliche, Kassam-Raketen, Ruinen und fanatische Hamas-Beerdigungen. Und aus dieser trostlosen Region soll einer der sehenswerten Surf-Filme des Jahres kommen?

Ja! die junge Generation in Gaza hat genug von Besetzung, Krieg und religiösen Fanatismus. Es zieht es zu den Stränden, denn Surfen bedeutet Freiheit – wenigsten für die Dauer einer Welle.

 

GAZA SURF CLUB: Ein politischer Surf-Film?

Der Dokumentar-Film GAZA SURF CLUB startet am 30. März 2017 in den deutschen Kinos und liefert außergewöhnliche Einblicke in eine Region, die wir sonst nur aus den Nachrichten kennen. Dieser palästinensischen Wirklichkeit stellt Regisseur Philip Gnadt eine hoffnungsvolle Gruppe Jugendlicher gegenüber, die einfach ein bisschen Normalität erleben will.

GAZA SURF CLUB ist ein Film voller Hoffnung, der zeigt, dass auch in Krisengebieten junge Menschen leben, mit denen wir uns identifizieren können, welche die gleichen Träume und Wünsche haben, wie ihre Altersgenossen auf der ganzen Welt.

 

Die Protagonisten:

Ibrahim – Der Macher

 

Ibrahim, 23, hat einen großen Traum für Gaza. Er hofft, irgendwann einmal einen richtigen Gaza Surf Club eröffnen zu können – einen Platz, der nicht nur seine Liebe zum Surfen zum Ausdruck bringt, sondern Surfer, Nachbarn, Familie und Neugierige zusammenbringt. „Gaza war einmal einer der besten Orte auf der Welt, jetzt ist er einer der schlimmsten. Das wird nicht ewig so bleiben. Eines Tages ändert sich alles und es wird besser als zuvor.“

 

Sabah – Die Träumerin

 

Sabah, 15, lernte das Surfen und Schwimmen schon als Kind. Als Teenager muss sie ihre große Leidenschaft nun aufgeben. „Einmal schwamm ich mit Kopftuch und es hätte mich fast erstickt. Es hatte sich um meinen Hals gewickelt. Ich nahm es ab, wickelte es um meine Hüfte und schwamm weiter. Meine Cousinen fragten, warum ich ohne Kopftuch schwimmen würde. Ich sagte, es ist meine Sache. Sie sollten sich nicht einmischen. Ich mag es nicht, wenn sich andere einmischen. Das ist meine eigene Entscheidung.“

 

Abu Jayab – Der Mentor

 

Abu Jayab, 42, ist der älteste Surfer in Gaza und Mentor der jungen Surfer. Er arbeitet seit 42 Jahren in dieser Gegend, seit meiner Geburt. Früher, vor etwa 25 Jahren, surften die Jugendlichen auf Holzbrettern. „Als Kinder brachten wir ein Stück Holz mit, zum Beispiel von einem Schrank oder einem Tisch. Egal was. Kinder kommen zu uns, um Surfen zu lernen. Sie sind von Freunden und Nachbarn oder unsere eigenen Kinder. Wir zeigen Ihnen alles mit den bescheidenen Mitteln, die wir haben.“

 

 

Warum ihr diesen Film auf keinen Fall verpassen dürft?

Bereits 2013 wurde das Dokumentarfilm-Projekt GAZA SURF CLUB mit dem Filmförderpreis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet.

 

Philip GnadtPhilip Gnadt

Weitere Gründe verraten uns die Macher des Films im Interview:

Mickey YamineMickey Yamine

 

1. Wie kam euch die Idee, in der Gaza Region einen Surf-Film zu drehen?

Philip:

Ein guter Freund von mir, den ich während meines Studiums in Stuttgart kennen lernte, ist im Gazastreifen aufgewachsen. Er hat in mir ein generelles Interesse für die Region geweckt. Bevor ich ihn kennenlernte war Gaza für mich ein diffuses Detail in diesem so unendlich komplizierten Nahostkonflikt. Durch seine persönlichen Geschichten wurde dieser kleine Küstenstreifen zwischen Israel und Ägypten für mich greifbarer und mir wurde das erste Mal bewusst, wie abgeriegelt dieses Stück Land wirklich ist. Auf der anderen Seite war es auch ermüdend, immer wieder diese schrecklichen Geschichten zu hören, in denen jeder dem anderen die Schuld gibt. Geändert hat dies eine Fotostrecke in einem Sportmagazin, die mich regelrecht ansprang: Wahnsinnig schöne Schwarzweißfotos von Surfern am Strand von Gaza-City, im Wasser und in ihrem Alltag, Zuhause. Ich spürte regelrecht die positive Energie, die von diesen Surfern auf den Bildern ausging. Die Idee einen Dokumentarfilm darüber zu machen kam mir sozusagen während ich diese Bilder durchblätterte. Allerdings hatte ich zu Beginn noch große Bedenken, denn ich spreche kein Arabisch und war mir nicht sicher ob ich mir zutrauen sollte einen Dokumentarfilm in einer Region zu drehen deren Sprache ich nicht verstehe bzw. spreche. Diese Sorge legte sich, nachdem ich über eine gemeinsame Freundin Mickey Yamine unseren Produzenten kennenlernte, der Arabisch, Englisch und Deutsch spricht und darüber hinaus den Reiz des Themas sofort verstand.

Mickey:

Ja, ich bin in Ägypten aufgewachsen, spreche Arabisch und hatte schon immer großes Interesse an Themen rund um den Nahen Osten. Ich hatte schon einige Länder zuvor besucht (Jordanien, Iran, VAE), aber in Gaza war ich bis dahin noch nie gewesen. Ich war allerdings schon immer fasziniert und interessiert an dieser besonderen Region und an der politischen und sozialen/humanitären Lage im Gazastreifen. Gleichzeitig fühlte ich mich gesättigt von den Medien und von Themen, die immer aufs Neue nur über Gaza als Region sprachen und nie von den Menschen. Immer wieder hörte man (und hört man bis heute) nur von Krieg und Konflikt, von Tod und von Extremismus. Egal, ob man nun Israel oder die Palästinenser befürwortet: das Leiden der zivilen Bevölkerung steht außer Frage, aber es hat sich eine Entmenschlichung eingeschlichen. Als mir Philip erzählte, er wolle gerne einen „etwas anderen Dokumentarfilm über Surfer im Gazastreifen“ machen, wusste ich genau was er meinte: Keine Kriegsdoku, kein Betroffenheitskino, sondern einen Film über einen Sport, der für individuelle Freiheit steht wie sonst kaum ein anderer – und das in einer der isoliertesten und konfliktreichsten Regionen dieser Welt.

 

2. Als Surf-Region ist uns das politisch instabile Gaza ist in Deutschland eher unbekannt. Wie sind die Wellen und wann und wie ist die Surf-Bewegung entstanden?

Auf die Wellen vor Ort waren wir auch sehr gespannt, denn Gaza liegt am Mittelmeer, dass vielleicht nicht gerade für top Surfwellen bekannt ist. Während unseres Drehs im Oktober und November 2014 gab es aber doch einige stürmische Tage die in der Folge erstaunlich große Wellen entstehen ließen. Angrenzend an den Hafen gibt es einen sehr guten Surf-Spot, auch wenn dort leider die Wasserqualität etwas dürftig sein kann, da viele Abwässer direkt ins Meer geleitet werden.
Die Entstehungsgeschichte ist eine recht lange Geschichte und würde für einen eigenen Artikel reichen, aber in aller Kürze kann man sagen, dass vor etwa 25 Jahren die ersten gebrauchten Boards aus Israel nach Gaza kamen auf denen Pioniere wie Ahmed Abu Hassira oder Mohammed Abu Jayab, die auch im Film zu sehen sind, das Surfen lernten. Vor etwa 10 Jahren bekam das Surfen in Gaza neuen Wind als die Surflegende Dorian „Doc“ Paskowitz mit Hilfe von vielen, auch israelischen, Surfern unter großem persönlichem Einsatz gespendete Boards nach Gaza brachten. Damit hatten nun wesentlich mehr Interessierte Zugang zu einem Board und die kleine Surf Community wuchs.

 

 

 

3. Wie habt ihr die Protagonisten für euren Film kennengelernt? Und wie konntet ihr das nötige Vertrauen gewinnen, um etwas aus ihrem Leben zu erfahren?

Philip:

Über Hossam, diesen Freund aus Stuttgart, haben wir in Gaza einen Journalisten kontaktiert, der uns einen ersten Skypecall mit einigen Surfern organisierte. In diesem ersten Skypecall war witziger Weise Ibrahim, unser späterer Hauptprotagonist im Film, bereits dabei. Zu diesem Zeitpunkt war das Ganze aber noch sehr vage und ich denke, die Surfer, mit denen wir sprachen glaubten nicht wirklich, dass wir tatsächlich kommen würden. Wir sind dann im Mai 2013 zu einer ersten Recherchereise in den Gazastreifen gefahren, bei der wir einen Teil der Surfer kennenlernten. Ibrahim war wieder dabei und er war so etwas wie der ruhende Mittelpunkt in dieser relativ lose zusammengewürfelten Gruppe von Surfern und er war sympathisch. Das einzige Problem war, dass er mit Abstand am wenigsten sprach und eher ruhig beobachtend dabei war; was für einen potenziellen Protagonisten natürlich suboptimal ist.
Als wir anderthalb Jahre später zum eigentlichen Dreh nach Gaza kamen, war Ibrahim allerdings wie verwandelt. Er plauderte, war offen und hatte diese wahnsinnige Idee ein Praktikum auf Hawaii zu machen, was ihn als Protagonisten natürlich sehr spannend machte.
Mit Sabah, dem Mädchen, verhielt es sich etwas anders. Sie haben wir erst während unseres Drehs kennengelernt. Stefanie Yamine, unsere ägyptisch-libanesische Koproduzentin, hat gut drei Wochen gebraucht, um das Vertrauen von Sabahs Vaters zu erlangen. Er ist ein sehr geselliger und umgänglicher Typ, aber er hatte doch Bedenken hinsichtlich unseres Films. Der Tag, an dem wir mit ihr auf dem Wasser waren, war unser letzter Drehtag, nach knapp sechs Wochen in Gaza.
Dass wir das Vertrauen der Surfer insgesamt gewinnen konnten hat glaube ich zwei Gründe. Neben dem Fakt, dass Mickey und Stephanie die Sprache sprechen habe ich immer darauf geachtet, dass wir drei inhaltlich immer auf gleichem Stand sind um nicht diese typische Übersetzungssituation zu haben: Frage – Übersetzung, Antwort – Übersetzung. Sondern die beiden konnten jederzeit wenn es sich ergab mit unserem Protagonisten reden und mich, bzw. unserem Kameramann darauf aufmerksam machen wenn es inhaltlich spannend wurde. Zum anderen zog sich die Vorbereitung ja über mehrere Jahre in denen wir immer Kontakt hielten; das hilft natürlich auch.
Viele Journalisten kommen ja für einen Tag stellen ein paar Fragen und sind dann wieder weg. Wir hatten zwei Jahre Vorbereitungszeit und blieben sechs Wochen vor Ort in Gaza.

Mickey:

Wir haben recht schnell gemerkt, dass sich die Surfer durch ihre Erfahrungen mit Journalisten schon so ein Repertoire an Antworten zurechtgelegt hatten. Wie Philip schon sagte: Ein Journalist kommt, fragt „Warum surft Ihr und was bedeute Surfen für Euch? Was sagt ihr zu Hamas und zu Israel?“ und dann war’s das. Wenn man aber bleibt und mit ihnen Zeit verbringt, dann entwickeln sich irgendwann Gespräche, bei denen man vielleicht einen Blick hinter diese Fassade bekommt.

 

4. Ist das Surfen für die Jugendlichen (gerade für junge Mädchen wie eure Protagonistin Sabah) auch eine Form der Rebellion? Oder steckt vielmehr die Sehnsucht nach einem Stück Normalität dahinter?

So wie wir die Surfer vor Ort kennen gelernt haben sind das keine Revoluzzer wie man sich das gerne vorstellen mag. Die Tagespolitik hat sie desillusioniert und das Surfen ist schlicht und einfach eine kurze Flucht aus diesem so komplizierten Konflikt und den Sorgen des Alltags. Auch Sabah, das Mädchen, stellt die Religion und die gesellschaftlichen Normen nicht in Frage, sondern wünscht sich manchmal nur ein wenig mehr Freiheit, das zu tun was ihr Spaß macht.

 

5. Euer Protagonist Ibrahim reist am Ende des Films nach Hawaii. Wie ist diese Reise einzuordnen? Erlebt er einen Kulturschock, oder erfüllt sich ein Traum?

Hawaii war natürlich für den Film und das gesamte Team ein Traum. Ibrahim versuchte ja schon seit Jahren immer wieder vergebens nach Hawaii zu reisen – trotz Unterstützung und Einladungen seines Freundes Matthew. Das es schließlich überhaupt geklappt hat, grenzt schon an ein kleines Wunder.
Wir haben dort aber schnell gemerkt,  dass er vor lauter Waikiki-Beach-Schönheiten und typisch amerikanischem Surf-Kommerz dann wohl doch einen kleinen Kulturschock bekommen hat. Der Junge hatte bis dahin so etwas noch nie gesehen. Zum Glück gab es jedoch auch die authentischeren Gegenden auf der Insel, die ihm auch sehr viel mehr zusprachen.
Er war durch diese Eindrücke in Hawaii, von blau-weißen Stränden voller Touristen, einer Südsee-typischen Natur und einer multikulturellen Gesellschaft etwas überwältigt und dadurch teilweise sehr nachdenklich, was im Film auch ganz gut rüber kommt. Das brachte ihn allerdings auch dazu, seine Situation neu einzuschätzen. Nun ist er seit unserer gemeinsamen Reise noch immer in den USA, wo er Englisch lernt und nebenbei arbeitet. Er spricht bis heute davon, irgendwann einmal den Gaza Surf Club weiter aufzubauen, will aber erst einmal noch nicht in seine Heimat zurück. Ob und wann sich das ändert, hängt sicherlich zum einen von den neuen Flüchtlings- und Einwanderungsgesetzen in den USA ab, zum anderen aber auch von seinem Heimweh.

 

6. Wie beschreibt ihr selbst die Message eures Films?

Vor ein paar Jahren gab es einen Dokumentarfilm mit dem Namen „God went Surfing with the Devil“, darin geht es hauptsächlich um die Anstrengungen des Amerikaners Matthew Olsen und dem Israeli Arthur Rashkovan, gespendete Boards nach Gaza zu bringen. Ein sehr spannender und interessanter Film, der gegen Ende allerdings nur kurz in Gaza selbst spielt. Unsere Idee war es von Anfang an so viel wie möglich aus Gaza selbst zu zeigen, da sich die allgemeine Berichterstattung im Normalfall auf Krisenzeiten reduziert. Wie die Menschen vor Ort aber zwischen den kriegerischen Auseinandersetzungen ihren Alltag bestreiten, wird leider sehr selten gezeigt. Wenn es dem Film also gelingt, dem ein oder anderen eine weitere Facette des Lebens in Gaza zu zeigen sind wir sehr froh.

 

 

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MM

... Michaela ist gerne auf Reisen und hat unter anderem über 1 Jahr in Costa Rica gelebt. Seit 2016 ist sie bei Dakine Shop im Social Media bereich tätig und als echte Münchnerin nach Feierabend natürlich an der Isar zu finden.

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